Trainings gegen Rechts
Was tut ein Sozialarbeiter, wenn ein Jugendlicher im Freizeitclub gegen Ausländer wettert? Oder eine Mitarbeiterin der Kommunalverwaltung, wenn NPD-Mitglieder die Stadtverordnetenversammlung sprengen? Und wie reagiert die Gleichstellungsbeauftragte, wenn Menschen mit Behinderung höhnisch verlacht werden? All das sind Situationen, mit denen man beruflich wie privat in Berührung kommen könnte. In manchen Berufen ist die Wahrscheinlichkeit, mit rechtsextremen Einstellungen konfrontiert zu werden, relativ hoch. Das macht es besonders wichtig, sich und seinen KollegInnen zu mehr Handlungsfähigkeit zu verhelfen.

Bisher haben SozialpädagogInnen und SozialarbeiterInnen des Amts für Jugend und Soziales aus Frankfurt (Oder), MitarbeiterInnen der Kommunalverwaltung von Schöneiche, das Ordnungs-, Jugend- und Hauptamt Wittenberge sowie die MitarbeiterInnen des Rathauses Wittenberge etwas unternommen, um Courage zu erproben. Unsere Trainings sind auf die Bedürfnisse der Teilnehmer und Teilnehmerinnen ausgerichtet. Ein Trainerteam, bestehend aus zwei Personen, hat in Zusammenarbeit mit der Heinrich Böll Stiftung Brandenburg und den Akteuren vor Ort mehrere Module entwickelt, die auf die Situation in der Region angepasst sind.

Hier finden Sie Vorschläge zu Trainingsthemen, die Sie bei uns anfragen können. Gern erarbeiten wir jedoch auch ein spezifisches Angebot für Ihre Region.

Demokratie stärken - Anti-Bias
„Bias“ ist englisch und bedeutet „Voreingenommenheit“ oder „Vorurteil“. Ein Vor-Urteil birgt voreingenommenes Unwissen, das dazu führen kann, dass Menschen ausgegrenzt und unterdrückt werden. Wahrscheinlich hegt jeder Mensch solche Vorurteile. Einige wurden von Eltern oder Freunden übernommen, andere z.B. in den Medien reproduziert. In den praxisorientierten Anti-Bias-Trainings werden Vorurteile aufgedeckt und analysiert. Von klein auf erlernte Wahrnehmungs- und Kommunikationsprozesse werden hinterfragt und Diskriminierungserfahrungen emotional spürbar gemacht. Die Methode stammt ursprünglich aus Südafrika, wo sie sich in der Arbeit gegen die Apartheid bewährt hat.

Toleranz leben
„Miteinander“ bedeutet das hebräische Wort „Betzavta“, nach dem ein Training benannt wurde, mit dem man Demokratie üben kann. Die Methode stammt aus Israel, um Konflikte zwischen jüdischen und arabischen Jugendlichen zu schlichten. Sie basiert auf dem demokratischen Grundgedanken, dass jeder das Recht haben sollte, nach seinen Überzeugungen zu leben, wenn er die Rechte anderer dabei nicht einschränkt. Doch wo fängt Freiheit an, wo hört sie auf? „Betzavta“ lädt dazu ein, Konflikte anzusprechen, über ihre Lösung zu verhandeln und dabei Toleranz auszuprobieren.

Was ist eigentlich Rassismus? (Anti-Rassismus-Training)
Rassismus und rassistische Äußerungen zu identifizieren, fällt nicht immer leicht, denn oft verstecken sie sich hinter kulturellen Zuschreibungen. Menschen werden nicht als Individuen wahrgenommen, sondern auf ihre Kultur, ihre Herkunft reduziert. Hinzu kommt, dass rassistische und menschenverachtende Äußerungen nicht nur am rechten Rand, sondern vor allem auch in der Mitte der Gesellschaft präsent sind. Gerade deshalb ist es wichtig der Frage: "Was ist eigentlich Rassismus?" auf den Grund zu gehen. Das Training lädt dazu ein, eigene und in der Gesellschaft verbreitete Rassismen zu hinterfragen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Sicher Auftreten gegen Rechts
Was tun, wenn eine Person in der S-Bahn drangsaliert wird? Wie reagieren, wenn Rechtsextreme eine Veranstaltung dominieren? Zivilcourage kann man lernen. Die dreiteilige Trainingsreihe ist unterteilt in die Themenblöcke „Recht gegen Rechts“, „Handeln gegen Rechts“ und „Argumentieren gegen Rechts“, die nacheinander besucht werden können. Erfahrene TrainerInnen gehen auf die juristischen Möglichkeiten ein, die gegen Rechtsextreme unternommen werden können, und üben praktisch, wie man rhetorischen und anderen Angriffen couragiert begegnet.

I.   Recht gegen Rechte
 
Bei dem ersten Training soll auf die rechtlichen Möglichkeiten, sich gegen Rechtsextreme und NPD-Aktivisten zu wehren, eingegangen werden. Neben Fragen des Hausrechts sollen auch Fragen des Strafrechts behandelt werden.
-     Versammlungsrecht – Grenzen und Möglichkeiten?! (öffentliche Diskussionsveranstaltung, Demonstration, Infostände)
-     Die (Un)wirksamkeit strafrechtlicher Maßnahmen zur Bekämpfung des Rechtsextremismus 
-     Parteien- und Vereinsverbote           
-     Schutz persönlicher Rechte durch das BGB (zivilrechtliches Hausrecht, Unterlassensverfügungen)

II.   Handeln gegen Rechts

Rechtsextreme und Aktive der NPD treten in Veranstaltungen mit erhöhter Aggressivität auf. Oft ist es schwer, ihren rhetorischen Angriffen etwas entgegenzuhalten. Bei dem Training sollen hierfür gezielt Strategien entwickelt werden. 
-     Rhetorik von Rechts - die „Wortergreifungsstrategie“: Anspruch und Wirklichkeit
-     Umgang mit Rechten in Theorie und Praxis
-     Training konkreter Handlungsoptionen gegen Rechte
-     Couragiertes Handeln im Alltag 

III.   Argumentieren gegen Rechts

Wie kann man gegen die rechten Argumente schnell und schlagkräftig gegenhalten? Ziel des Trainings ist eine Analyse rechtsextremer Argumentationen, um die TeilnehmerInnen zu befähigen, selbst gezielt dagegen zu halten. 
-     Rechte Ideologie
-     Analyse und Umgang rechter Argumentation auf der Sachebene
-     Situationsanalyse – welcher Umgang mit Rechtsextremen ist im jeweiligen Fall sinnvoll?!
-     Umgang mit rechter Argumentation auf der Handlungsebene

Teilnahmebeitrag: 15 Euro inklusive Verpflegung und Seminarmaterialien
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ANMELDUNG bitte mit Namen, Organisation und vollständiger Adresse an Katharina Thanner thanner@boell-brandenburg.de oder per Fax an 0331-20057820. Ohne vorherige Anmeldung ist eine Teilnahme leider nicht möglich. Sie erhalten von uns eine Anmeldebestätigung, die Sie bitte zu Trainingsbeginn vorlegen.

Informationen, Broschüren, Downloads
Tagung: Ausgrenzung durch die Mittelschicht - Abwertende Einstellungen der Mitte und ihre Folgen für die Gesellschaft
Wer Arbeitslosengeld bezieht, ruhe sich auf dem deutschen Sozialstaat aus, MuslimInnen leisteten keinen wertvollen Beitrag zu dieser Gesellschaft – das sind abwertende Einstellungen, die zunehmend auch in der Mitte der Gesellschaft deutlich zu Tage treten. Mit Vertetern aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft, sprachen wir über abwertende Einstellungen der Mitte und deren Folgen für die Gesellschaft. Dokumentation zur Tagung»
Sicher Auftreten gegen Rechts: Hier finden Sie Hinweise und Links zu hilfreichen Handreichungen, Broschüren und Institutionen. Hier Klicken»
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